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08.07.2005

Anfang März 2005 kündigte Microsoft das neue kaufmännische .NET-ERP-Framework an und gab sich damals bereits gegenüber den Konkurrenten erstaunlich siegessicher. Von der Positionierung her wurde als Konkurrent eher SAP gesehen, andere Firmen wie Sage oder Intuit (in Deutschland Lexware) sah Microsoft eher stark im Sement der kleinen Kunden.


Jetzt läßt Microsoft den nächsten Knaller los … diesmal im bislang selbst noch nicht besetzten unteren Marktsegment. AB 2006 ist es soweit … Microsoft bringt im Small-Business-Bereich eine ERP-Software für unter 200,- € auf den Markt. Das Produkt, Microsoft SBA (Small Business Accounting) genannt, wird sich in einem Segment breitmachen und wildern, in dem sich bisher Firmen wie Lexware (Lexware buchhalter, Lexware faktura, Lexware büro easy …), Intuit (QuickBooks), Sage (PC-Kaufmann, GS-Auftrag, GS-Fibu), DATEV oder Buhl (WISO Kaufmann, WISO Buchhaltung) jahrelang in Sicherheit wähnten.


Diese „neue“ Entwicklung im unteren Software-Segment war lange vorauszusehen, weil sie für Microsoft Sinn macht. Im Bürobereich dominiert MS-Office. Die Funkionalität von Outlook, Word, Excell & Co. wird praktisch überall benötigt und eingesetzt. Aber da, wo Briefe geschrieben werden, da wo kalkuliert wird, schreibt man auch Rechnungen oder muss eine Buchhaltung führen. Also waren diese „fehlenden“ kaufmännischen Office-Komponenten längst überfällig.


Meiner Ansicht nach wird Microsoft in diesem Marktsegment grossen Erfolg haben, weil entscheidende Fehler bereits im Ansatz vermieden werden. Denn bei Neuinvestitionen in eine ERP-Software ist ein günstiger Lizenzpreis allein selten von großer Bedeutung. Viel wichtiger sind zwei andere Faktoren:


Die teilweise über viele Jahre „angesammelten“ Datenbestände sind Existenzgrundlage für jedes Unternehmen. Keine Firma will auf die Kundendaten (aber auch Artikelpreise, die Artikelhistorie usw. …) verzichten, nur weil vielleicht einige neue Features in einer „revolutionär“ neuen Software vorhanden sind. Das weiß auch Microsoft und will Anwendern deshalb den Umstieg leicht machen. Geschickterweise soll ein Migration-Wizard bei der Übernahme der Daten aus Konkurrenzprodukten in Microsoft SBA helfen.


Weiterhin dauert es immer sehr lange, bis sich Mitarbeiter in eine Warenwirtschaft oder Buchhaltung eingearbeitet haben. Ein Wechsel auf eine andere Software, die vielleicht nur etwas weniger kostet ist wirtschaftlicher Unsinn … wenn man diesen vermeintlichen „Vorteilen“ die Kosten für tagelange Schulung und wochenlange Einarbeitung der Mitarbeiter in die neue Software gegenüberstellt. Auch – oder erst recht – im Low-Cost-Software-Bereich (SOHO, Small-Business) spielt die Gewöhnung und Akzeptanz der Mitarbeiter an die Usability und Prozesse einer kaufmännischen Software eine entscheidende Rolle. Preisunterschiede des Produkts – selbst im werbewirksamen hohen Prozentbereich – sind absolut gesehen – immer nur Peanuts gegenüber den Personalkosten …


Aber wer hat beim Thema „Gewöhnung“ und „Einarbeitung“ bessere Karten als Microsoft mit einer ERP-Software, die ganz eng an Microsoft Office angelehnt ist? Praktisch jeder Mitarbeiter kann mit MS-Office umgehen und wird sich so schnell in das Microsoft SBA einarbeiten können. An ausreichender Funktionalität wird es Microsoft mit Navision und Axapta im Rücken ja nicht mangeln. Dieses Know-how ist vorhanden, da spielt es keine Rolle, dass Microsoft erst jetzt diesen Markt besetzt und alle anderen Marktteilnehmer so routinierte „alte Hasen“ sind. Wenn interessieren schon „20 Jahre Erfahrung bei kaufmännischer Software“, wenn jetzt „Microsoft“ eine kaufmännische Anwendungssoftware macht, die sich perfekt in die eingesetzte MS-Office-Welt einfügt … Vielleicht ist die erste Version von Microsoft SBA noch nicht der Knaller … aber spätestens mit Version 2.0 oder gar 3.0 wird sowohl volle Funktionalität als auch hohe Brauchbarkeit gegeben sein …


Lustiger Aspekt am Rande: Die Benutzerzahl von Microsoft SBA soll von 1 bis 5 reichen … wird also für sehr viele kleine und mittlere Unternehmen vollkommen ausreichend sein, da selten mehr Benutzer gleichzeitig mit einer kaufmännischen Software arbeiten. Die bisher von Konkurrenten sehr teuer angebotene Netzwerk- / Mehrplatzversion für zwei bis 5 oder 10 gleichzeitige Benutzer wird somit überflüssig und am Markt auf Dauer wohl nicht mehr haltbar sein. In Zukunft wird es vermutlich im unteren Marktsegment keine Unterscheidung mehr zwischen Einzelplatzlizenz und Mehrplatzlizenz geben …


Weiterhin soll das Paket sowohl standalone als auch in der „Office Small Business Management Edition 2006“ angeboten werden, was vermutlich in kurzer Zeit einen satten Marktanteil im unteren Marktsegment ergeben dürfte. Erst recht, weil so die üblichen Office-Vertriebskanäle wie Retail-Märkte, OEM-Partnerschaften oder Computer-Fachhändler genutzt werden können. Auch Softwarefirmen sollen mit Hilfe eines SDKs Add-ins oder sogar eigenständige Anwendungen (z. B. indivduelle Kundenanspassungen, Branchenlösungen) auf Basis von Microsoft SBA entwickeln können. Auch für die Software-Entwickler hat das große Vorteile, weil einereits eine bewährte Plattform benutzt werden kann und andererseits eine hohe Akzeptanz bei den Endanwendern durch die Zauberwörter „Microsoft Office“ sichergestellt ist. Das sorgt auch innerhalb der programmierenden Zunft für hohe Investitionssicherheit


Eberhard Heins, langjähriger intimer Kenner der deutschen ERP-Szene – und wie immer bestens aus erster Hand informiert – sieht ebenfalls harte Zeiten auf Lexware, Sage & Co. zukommen. Mal sehen, wer jetzt wieder in hektischen Aktionismus verfällt oder aber wer tatsächlich mit brauchbaren Strategien bei Microsoft SBA entgegenhalten kann. Da wird es doch tatsächlich noch mal richtig spannend im deutschen ERP-Software-Markt … Absichtserklärungen allein werden jetzt nicht mehr ausreichen!


Michael Gandke



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